Verbrannte Finger

Malaka Jazmati erzählt, was sie in Deutschland zur Königin der syrischen Küche gemacht hat

FOTOS: AFP/GETTY IMAGES, MARIA GROSSMANN & MONIKA SCHUERLE FÜR ZS VERLAG
FOTOS: AFP/GETTY IMAGES, MARIA GROSSMANN & MONIKA SCHUERLE FÜR ZS VERLAG

„Harrah Esbao“ ist ein erstaunliches Gericht Übersetzt heißt es „Verbrannte Finger“. Aus den scheinbar wahllos zusammengestellten Zutaten Nudeln, Linsen, Brot und Granatapfel entsteht – richtig zubereitet – eine köstliche Speise, typisch für die feine Küche Damaskus. Typisch für Geburtstagsfeiern „Meine Lieblingsvorspeise“, sagt Malaka Jazmati, Starköchin aus Syrien. Es schmeckt auch deutschen Gästen. Sogar die Bundeskanzlerin hat von ihren „Verbrannten Fingern“ probiert.  Vielleicht, so Malaka Jazmati, weil es nicht so fettig und zudem vegan ist.

„Ich wollte immer Botschafterin werden“, sagt Malaka Jazmati: „Deswegen habe ich in Syrien internationale Beziehungen studiert“. Doch es kam anders. Sie floh nach Deutschland und da stand ihr die neue Sprache im Weg. Malaka Jazmati machte sich die Küche zur neue Bühne. „In Deutschland glauben viele, dass der traditionelle Platz der syrischen Frau sowieso die Küche ist“, sagt sie. Nun macht sie Diplomatie vom Herd, aus Ihre wichtigste Zutat: Liebe. „Die Menschen sollen bei jedem Bissen sagen: Das ist das leckerste Essen, das ich je gegessen habe.”

Malaka Jazmati kam im Zuge einer Familienzusammenführung nach Deutschland. Sie folgte ihrem Mann Mohammed, der ihr größter Unterstützer ist. Sie kochte zunächst für private Parties, dann im Share-House Refugio – das ist ein Wohnprojekt der Berliner Stadtmission für Geflüchtete und Deutsche. Und gelegentlich stellt sie auch für die Bundesregierung Buffets zusammen. Ihre größter Erfolg: Das Eröffnungsdinner der Berlinale im Februar 2018.

Sie ärgert sich über das Vorurteil in Deutschland, dass arabische Frauen in einem Käfig leben müssen. „Ich möchte den arabischen Frauen hier in Deutschland eine Botschaft mitgeben: Richtet euch nicht nach den orientalischen Männern. Und auch nicht nach dem, was die westlichen Gesellschaften euch an Vorurteilen aufdrücken wollen. Bleibt ihr selbst und steht dazu!“

Und schließlich verrät sie ihr Erfolgsrezept: „Man muss lieben, was man tut und sich mit geliebten Menschen umgeben. Man sollte dem Neuen positiv gegenüberstehen und dann braucht man Stärke. Das ganze koche man auf dem Feuer der Geduld. Dann: Eine gute Prise Gottvertrauen, ein wenig Ruhe. Gesalzen wird mit Eifersucht und Neid. Fehlt es, wird das Ganze langweilig. Nimmt man aber zu viel, ist alles verdorben.“ 

Khalid Alaboud

„Sehnsuchtsrezepte aus meiner syrischen Heimat“. ZS Verlag 2017,  192 S., 34 €