Sie hat einen Traum

2015 gründete Raja Bannout einen Chor in Gaziantep, Türkei. Dann kam sie nach Deutschland, nun ist ihr Chor international. Irgendwann soll er auch in Syrien singen: vom Frieden!

FOTO: ANNA THUT
FOTO: ANNA THUT

Auf der Flucht aus Syrien konnte ich nicht viel mitnehmen. Aber ich hatte ein Herz voll Lieder. Unterwegs traf ich viele Frauen. Wir begannen, zusammen zu singen – Lieder aus unserer Heimat. Das befähigte uns, scheinbar mühelos all die Probleme zu bewältigen, die die unfreiwillige Migration mit sich gebracht hatte.

In Berlin habe ich den Haneen-Chor gegründet. Viele von uns sind älter und werden kaum in Deutschland Arbeit finden, auch wegen der Sprache. Aber mit dem Gesang holen wir her, was wir hier so vermissen – und machen all denen eine Freude, die uns zuhören und unser kulturelles Erbe entdecken.

Unser Chor ist in der arabischen Community sehr bekannt. Auch bei Deutschen. Sie verstehen zwar die Texte nicht. Aber es ist schön zu sehen, wie sie auf die Musik reagieren. Bei Auftritten sind berühmte Musiker dabei: Wassim Mukdad spielt die Kurzhalslaute, Berivan Ahmad die Schellentrommel und Dima Daoud die Kastenzither.

Wenn wir singen, beruhigt uns das und macht uns heiter, und wir spüren die Schönheit des Lebens. Wir stellen unsere innere Balance wieder her, stärken das Gefühl für Harmonie. Die meisten von uns wollen eines Tages nach Syrien zurückgehen. Wir wollen ein modernes Land aufbauen, eine Kultur des Miteinanders. Wir träumen davon, als Friedensstifter heimzukehren und all unsere Lieder in den Städten Syriens zu singen.

Protokoll: Samer Masouh