Erst mal die Kinder!

In Afghanistan ist sie eine berühmte Reporterin aus dem Fernsehen. Und in Deutschland?

ILLUSTRATION: MARIE EMMERMANN
ILLUSTRATION: MARIE EMMERMANN

Mein Mann starb, als ich 20 war. Ich war alleinerziehende Mutter zweier Kinder, das dritte war unterwegs. Als Frau allein in Afghanistan eine Familie zu beschützen ist schwer. Mancherorts gilt es schon als Schande, wenn eine Frau arbeitet. Witwen werden gezwungen zu heiraten. Besonders meine Eltern haben mich unterstützt. Ich konnte meine Ausbildung fortsetzen und wurde Journalistin – eine der ersten Fernsehreporterinnen nach dem Fall des Taliban-Regimes, für den Nachrichtensender Tolo TV. Schon für Männer ist dieser Beruf hart, ohne Rechtsstaat und unter dem Druck der Taliban. Aber ich habe meine Arbeit geliebt. Nichts konnte mich stoppen. Mein Motto: „Du musst für deine Ziele kämpfen.“

Am 20. Januar 2016 griffen Taliban einen Bus von Tolo-TV an, töten sieben Menschen und verletzten weitere 25. Meine Kinder lebten in ständiger Angst. Ich wollte nicht, dass sie so aufwachsen.

Der Anfang im deutschen Flüchtlingslager war hart. Ich sprach kein Deutsch. Meine Hauptsorge galt den Kindern. In Afghanistan waren sie auf guten Schulen gewesen und hatten gute Noten. Hier fingen wir bei Null an. Sie haben sich schnell eingelebt, sprechen die neue Sprache und gehen ihren Weg. Jetzt will auch ich in Deutschland Fuß fassen und als Journalistin arbeiten. Das ist schwer, aber nicht unmöglich.“

Protokoll: Noorullah Rahmani