Pubertät...

. . . ob in Syrien, in Ägypten und in Deutschland: Auflehnen werden sich die Kinder sowieso

ILLUSTRATION: MARIANNA GEFEN
ILLUSTRATION: MARIANNA GEFEN

„Wären wir in unserem Land geblieben, dann hätte meine Tochter nicht diese ganzen Flausen im Kopf“, erzählte mir neulich eine syrische Frau. „Sie würde sich nicht so auflehnen und unsere Familientraditionen brechen. Das ist alles nur wegen dieser deutschen Gesetze, die Mädchen dazu verleitet, ihre Familien zu verlassen. Gerade habe ich wieder von einer 14-Jährigen gehört, die abgehauen ist und jetzt in einer Jugendamts-WG wohnt. Was da alles passieren kann! Seitdem lebe ich in ständiger Angst, dass meine Tochter das gleiche machen könnte.“

Doch wäre es wirklich besser, wenn sie in Syrien geblieben wäre? Sind Teenager-Töchter in arabischen Ländern nicht so rebellisch? Doch, das sind sie! Reem Adel, 25 Jahre aus Kairo lebt seit drei Jahren in Berlin, studiert Islamwissenschaften, steht mit beiden Beinen im Leben. Bis sie hier angelangt ist, musste sie einen weiten, sehr holprigen Weg zurücklegen: „Mit 14 rebellierte ich gegen alles, gegen mein Outfit, meine Eltern und meine Schule“, erzählt Reem Adel. Die heute 25jährige lebt seit drei Jahren in Berlin, studiert Islamwissenschaften, steht mit beiden Beinen im Leben. Bis sie hier angelangt ist, musste sie einen weiten, sehr holprigen Weg zurücklegen:  sie: „Mein Körper veränderte sich schnell:  Pickel im Gesicht, die Nase schien größer als normal – und meine Eltern verstanden das alles nicht. “

Als Reem eine weibliche Figur bekam, klammerten ihre Eltern. Reem sollte sittsame Kleider tragen, damit sie keine Männer verführt und belästigt wird. Der jüngere Bruder sollte sie überall hin begleiten. Reems Spielraum wurde winzig im Vergleich zu dem ihres älteren Bruders. „Ich war komplett zerquetscht, meine Eltern nahmen meine Bedürfnisse nicht ernst. Ich fühlte mich wie ein Vogel voller Energie, und sie setzten mich in einen Rollstuhl. Hätte ich zu Verwandten oder in ein Heim fliehen können, ich hätte es getan. Ich hatte meine Eltern wiederholt davor gewarnt. Aber in Wirklichkeit hätte ich nicht gewusst, wohin.“

Dann entdeckte sie im Internet, dass sie als Au-Pair nach Deutschland kommen konnte. Sie schloss ihre Schulausbildung ab, studierte Deutsch an der Uni. Sobald sie das Visum hatte, steckte sie ihre Kleider und Habseligkeiten in Plastiktüten und verwahrte sie im Haus einer Freundin. Sie kaufte einen großen Koffer und ging zum Flughafen. Als sie in Deutschland ankam, benachrichtigte sie ihre Familie, wo sie war und dass es ihr gut ging.

„Ich fing an, mich selbst zu entdecken: dass ich gerne Kleider trug, meine Haare zu einem Pferdeschwanz band und mich frei durch die Stadt bewegte. Ich reise viel, gehe campen, nehme Gitarrenunterricht.“ Sie hat auch bemerkt, dass sie ihre Familie trotz allem mag und inzwischen haben sie sich versöhnt. Ab und zu fährt Reem jetzt wieder nach Kairo und dort trägt sie ihrer Mutter zuliebe sogar das Kopftuch.

Asmaa Yousuf