Ohne Hoffnung ist das Leben fade

In der Redaktion von "Amal, Berlin!" schreiben Journalisten Nachrichten auf Arabisch und Persisch

Foto: Benny Golm
Die Kollegen von Amal, Berlin! im Treppenhaus ihres Bürogebäudes. Der Autor dieses Textes sitzt oben auf den Treppenstufen. Foto: Benny Gold

Anfang 2016 kam ich mit einem Stipendium der Friedrich Ebert Stiftung nach Deutschland, um über die Integration von syrischen Flüchtlingen in dieser Gesellschaft zu forschen. Unter den Empfehlungen in dieser Studie hieß es, dass Geflüchtete Arbeit finden sollten, um in der Gesellschaft klar zu kommen und sich ein neues Leben aufzubauen. Wenig später wurde ich selbst zum Arbeitssuchenden. Im August 2016 hörte ich, dass an der Evangelischen Journalistenschule – einer renommierten Ausbildungseinrichtung – eine neue Nachrichtenplattform aufgebaut werden sollte. Sie suchten Leute, die Arabisch oder Persisch sprechen und Erfahrungen im Journalismus mitbringen. Ich bewarb mich. Im September begannen wir mit einem zweimonatigen Training.

 

Wir lernten, was wir brauchen würden um als professionelle Journalisten in Deutschland zu arbeiten, von Presserecht bis "Mobile Reporting". Wir führten Interviews mit Promis über die Politik der Deutschen und hörten gute Ratschläge von deutschen Journalisten mit Erfahrung in ihrem Beruf – der hart und gleichzeitig spannend ist. Dann begannen wir, die Nachrichtenplattform aufzubauen. In der ersten Zeit haben wir offline gearbeitet, um Fehler zu vermeiden und um Routine im Umgang mit der Technik zu bekommen. Wir entwickelten auch Richtlinien für den Umgang mit kontroversen Themen, ob wir zum Beispiel von einer Revolution oder von Krise in Syrien sprechen.

 

Anfang März 2017 schalteten wir die Internetseite amalberlin.de frei. Die deutschen Medien berichteten. Tag für Tag wurde die Seite weiter entwickelt, und sie wurde bekannt unter arabischen und persischen Internetnutzern, auch unter anderen Berliner Bürgern.

 

 

Amal heißt Hoffnung

 

Warum der Name Amal Berlin? "Wir suchten einen optimistischen Namen, der auf Arabisch und Persisch dasselbe bedeutet", sagt Cornelia Gerlach, eine der Koordinatorinnen des Projekts. "Also wählten wir das Wort Amal, das heißt Hoffnung. Berlin gehört zum Namen, weil wir aus der Bundeshauptstadt über alles berichten, was diese Stadt betrifft."

 

Warum auf Arabisch und Persisch? In Berlin werden so viele Sprachen gesprochen!

"Weil die arabisch-persischen Gemeinden in Berlin so groß sind, vor allem seit der großen Zahl an Zuwanderern im Jahr 2015. Wir glauben, es fehlt an Nachrichtenseiten in diesen Sprachen", sagt Julia Gerlach, die zweite Koordinatorin. "Vor allem an Nachrichtenseiten, weniger an arabischen und persischen Informationen zum Leben in Deutschland."

 

Das Amal-Berlin Projekt hat heute acht feste und zwei freie Redakteure. Amal-Berlin hat bereits eine breite Basis an Lesern; das Projekt vernetzt uns Journalisten auch mit anderen Kollegen. Drei von uns arbeiten inzwischen bei deutschen Medien.

 

Samer Masouh