Überall fehlen die Facharbeiter

Die Deutsche Bahn bildet auch Menschen aus, die noch nicht so gut Deutsch sprechen. Sie müssen vorher aber ein Praktikum bestehen

x
Mitte Januar im S-Bahn-Werk Berlin-Schöneweide. Im weißen T-Shirt: Mohammed al-Halabi. Er will sich als Fachkraft qualifizieren. Foto: PR

Zehn Uhr morgens. Auszubildende im Trainingszentrum der Deutschen Bahn (DB) in Berlin Schöneweide bereiten sich auf die nächste Lektion vor. Mohammed al-Halabi ist einer von ihnen. Er kommt aus Aleppo und lebt seit anderthalb Jahren in Deutschland. Vor sechs Monaten bekam er einen Praktikumsplatz bei der DB, jetzt hat er einen Ausbildungsplatz. Er hatte Glück: In Syrien hat er seinen Bachelor über automatische Steuerungssysteme gemacht. Nun kann er in diesem Bereich weiterarbeiten. „Ich sorge mich um meine Familie in Syrien“, sagt er. „Aber das Leben geht weiter. Und wenigstens kann ich jetzt neu anfangen.”

Das Unternehmen DB, einer der größten Konzerne in Deutschland, will Flüchtlinge für den Arbeitsmarkt qualifizieren. Nicht nur, weil der Staat als größter Anteilseigner das so vorgibt. Es fehlt auch an Nachwuchs. Der Verband deutscher Verkehrsunternehmen teilt mit, dass in der Branche bis 2020 fast 14 Prozent der Fachkräfte aus Altersgründen ersetzt oder neu eingestellt werden. Und für die DB allein arbeiten 195 000 Mitarbeiter. Die Bundesagentur für Arbeit schlägt der DB geeignete Praktikumsbewerber unter den Flüchtlingen vor. Bei der Bahn koordiniert Astrid Kälisch den Ausbildungsbereich.

„Die Bewerber müssen die deutsche Sprache so weit beherrschen, dass sie sich mit den Ausbildern verständigen können“, sagt sie. „Je nach Leistung wird am Ende des sechsmonatigen Praktikums über eine berufliche Ausbildung entschieden.“ Wichtig sei, dass Praktikanten zuverlässig zur Arbeit erscheinen und erkennbar zeigen, dass sie etwas lernen wollen.

Die Bewerber kommen aus unterschiedlichen Ländern. Im September starteten acht Flüchtlinge aus Syrien, Ägypten, Afghanistan, Eritrea und Pakistan. Anfang November begann eine weitere Flüchtlingsklasse mit zwölf jungen Leuten in Berlin. „Sprachkurs und betriebliches Praktikum wechseln sich dabei ab“, sagt Matthias Waha aus der Unternehmenskommunikation. 2016 hat das Unternehmen bundesweit rund 120 Flüchtlinge qualifiziert. In den nächsten zwei Jahren werden 150 zusätzliche Plätze in den Qualifizierungsprogrammen angeboten.

Muhamad Abdi