Manches vergisst du nicht!

Viele Flüchtlinge haben grausige Erinnerungen. Gerade wenn Kinder darunter leiden, sollten Eltern professionelle Hilfe suchen

x
Die Farbe Rot weckt bei Ahmed schreckliche Erinnerungen. Foto: Anne Heusmann/photocase

Ahmed kann gut zeichnen, benutzt in seinen Zeichnungen jedoch nie die Farbe rot“, erzählt der syrische Kinderpsychiater Basel Allozi. „Er zieht sich immer zurück, spricht nicht mit anderen Kindern.“

Ahmed war mit seiner Familie nach Deutschland geflohen. Dr. Basel Allozi befragte den Jungen und erfuhr: „Ahmeds Schwester wurde erschossen, als sie in seinen Armen lag. Ihr rotes Blut ergoss sich über seine Kleidung. Ahmed meidet alles, was ihn daran erinnern könnte. Er zieht auch keine roten Kleidungsstücke an.“

Der Psychologe ermutigt den Jungen nun, über dieses Erlebnis zu sprechen, immer etwas mehr. Laut Dr. Basel sind unter den Flüchtlingskindern viele Bettnässer. Manche verhalten sich aggressiv und schlagen ihre Mitschüler beim geringsten Anlass, versuchen ihnen mit Gewalt Dinge abzunehmen oder Ähnliches. Gerade Kindern fehlt es an Möglichkeiten zur Selbstkontrolle.

Auch bei erwachsenen Flüchtlingen hinterlassen Kriegserlebnisse Traumata. Der syrische Psychiater Dr. Amer al-Masry sagt: „Schreckliche Erlebnisse quälen Menschen auch dann noch, wenn sie versuchen, sie zu verdrängen. Treten sie im Wachzustand auf, nennen Psychiater sie Flashbacks. Im Schlaf sind es Alpträume.“ Schmerzhafte Nachrichten von Angehörigen verstärken das Leid. Hinzu kommen die mangelnde Akzeptanz der neuen Kultur im Westen, Probleme mit der Sprache und dem komplizierten Asylverfahren.

Wer unter Flashbacks und Alpträumen leidet, sollte ärztliche Hilfe suchen. Wichtig für die Heilung ist auch, Freunde und einen Platz in der Gesellschaft zu finden.

Samer Masouh