Wie seid ihr Protestanten eigentlich?

Wichtige Werte im protestantischen Glauben

Vater und Mutter ehren

Den Eltern widerspricht man nicht, so wurden früher Generationen von Deutschen erzogen. In der Bibel steht: „Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass du lange lebst in dem Land, das dir der Herr, dein Gott, geben wird.“ Es ist das vierte der Zehn Gebote. Auch kleinen Kindern wurde es eingeschärft. Heute wissen wir: Hier geht es nicht um pädagogische Strenge, sondern um eine Erfahrung. Ist man gut zu den Eltern, wird man selbst auch eines Tages als alter Mensch geehrt werden. Menschen werden heute immer älter, da ist viel Aufmerksamkeit und Hilfe nötig.

Vater Mutter ehren
Illustration: Maren Amini

Was bedeutet es, jemanden aus der Familie zu ehren? Es geht um liebevolle Fürsorge für die Eltern. Es geht nicht um die Familienehre, auch nicht darum, das Ansehen der Familie zu schützen. Wer seine Eltern ehrt, schützt ihre Freiheit und Selbstbestimmung. Diese Ehre und Würde haben die Menschen von Gott verliehen bekommen. Christen sagen: Jeder Mensch ist Ebenbild Gottes, von ihm erschaffen, von ihm geliebt.

Liebe, Sexualität, Ehe

In einer Ehe ist es entscheidend, dass sich Mann und Frau achten und respektieren. Es gibt keine Über- oder Unterordnung des Mannes oder der Frau. Im sechsten der Zehn Gebote in der Bibel heißt es: „Du sollst nicht ehebrechen.“ Deutlich stärker als die Propheten im Alten Testament fordert Jesus, dass Ehepartner sich treu sein sollen. Jeder Christ kennt den Satz Jesu aus dem Matthäusevangelium 19,6: „Was Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden.“ Christen wissen auch: Ehen können kaputtgehen. Manchmal kann es besser sein, wenn Menschen Abstand voneinander nehmen und getrennte Wege gehen.

Liebe
Illustration: Maren Amini

Sexualität ist ein Geschenk Gottes. So sieht es die evangelische Kirche. Wenn zwei Menschen einander lieben, ist das wunderbar und von hohem Wert. Sexualität dient nicht ausschließlich der Zeugung von Kindern, Paare sind frei, Schwangerschaften zu verhüten. Ausgerechnet ein Buch der Bibel, das Hohelied der Liebe, ist voller erotischer Fantasien. Da geht es um die Freude an der Sexualität.

 

Gewalt, Gewaltlosigkeit

Viele Christen sagen: Der beste Weg, um die Spirale der Gewalt zu durchbrechen und Krieg zu beenden, ist, wenn eine Seite anfängt, auf Gewalt zu verzichten. Sie berufen sich auf das Matthäusevangelium 5,43: „Liebt eure Feinde!“ Und auf Matthäus 5,39: „Wenn dich jemand auf deine rechte Wange schlägt, dem biete auch die andere dar.“ 

Gewaltlosigkeit
Illustration: Maren Amini

Martin Luther King, der schwarze amerikanische Pfarrer und Bürgerrechtler, protestierte gewaltfrei gegen Rassismus. Einige evangelische Kirchen, zum Beispiel die der Mennoniten, rufen dazu auf, jeden Kriegsdienst zu verweigern. Zwischen 2001 und 2010 warb der Weltkirchenrat für die Überwindung von Gewalt. Der Kerngedanke: Einseitiger Gewaltverzicht ist immer noch das beste Mittel, um die Spirale der Gewalt zu durchbrechen.

Manchmal ist Gewalt notwendig, das wissen Protestanten auch. Menschen in Todesgefahr müsse man militärisch schützen, sagte der Leiter der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, nach einem Besuch 2014 im Nordirak.

 

Humor, Satire, Blasphemie

Darf man über Gott, Religion und Propheten Witze machen? Seit Zeitungen 2005 Karikaturen über Mohammed veröffentlichten, gibt es darüber Streit. Protestanten sagen: Witze über die Religion müssen erlaubt sein. Diese Witze kritisieren vor allem, wie sich religiöse Menschen verhalten. Satire kann befreiend wirken, wenn sich die Religiösen zu wichtig nehmen, andere moralisch kleinmachen, Frömmigkeit heucheln oder religiösen Zwang ausüben.

Satire
Illustration: Maren Amini

Aber Menschen haben auch ein Recht darauf, dass man sie in ihrer Religion respektiert. Das deutsche Strafrecht verbietet die Beschimpfung religiöser Bekenntnisse und Religionsgesellschaften, wenn sie „geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören“ (Paragraf 166). Das deutsche Grundgesetz garantiert das Menschenrecht, die Religion auszuüben (Artikel 4). „Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.“ Und dort steht auch: „Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.“